5 Fragen an … Sigrid Zeevaert
Freischaffende Kinderbuchautorin und RWTH Alumna
Sigrid Zeevaert ist seit 40 Jahren freie Autorin. Schon seit ihrem Lehramtsstudium an der RWTH verfasst sie Kinder- und Jugendbücher, Rundfunkbeiträge, Theaterstücke und Drehbücher. Ihre Bücher wurden und werden in viele Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. So erhielt sie etwa den Züricher Kinderbuchpreis, den Sankei Childrens Book Award (Japan) und den Friedrich-Bödecker-Preis für ihr Gesamtwerk. Sigrid Zeevaert studierte Lehramt für die Primarstufe an der RWTH.
1. Wie sieht Ihre aktuelle berufliche Rolle aus und welche Aufgaben prägen Ihren Arbeitsalltag?
Seit fast 40 Jahren bin ich freischaffende Autorin mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendliteratur, Hörfunk, Kindertheater und Kinderfilm. Darüber hinaus schreibe ich im Bereich der allgemeinen Belletristik. Ich schreibe möglichst täglich und bin immer wieder zu Lesungen und Workshops im gesamtdeutschsprachigen Raum unterwegs.
2. Inwiefern hat die Zeit an der RWTH Aachen Sie zu Ihrer aktuellen Tätigkeit inspiriert?
Das Lehramtsstudium und die Auseinandersetzung mit der Germanistik hat insgesamt ganz gewiss dazu beigetragen, dass ich heute diesen Beruf ausübe, da ich im Rahmen des Studiums in vielschichtiger Weise eine Auseinandersetzung, Reflexion und Sensibilisierung in Umgang mit Sprache und Literatur erfahren durfte. Besonders war zudem der Umstand, dass mein erstes Buch „Max, mein Bruder“ im Rahmen meiner Examensarbeit in einer vorläufigen Fassung entstand und mir den Weg in die schriftstellerische Arbeit und Selbstständigkeit eröffnet hat. Auch der schreibtheoretische Teil der Examensarbeit, der in einer Reflexion des Schreibprozesses bestand, war für mich von großem Wert für meine weitere Arbeit.
3. Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Zeit an der RWTH?
Die Möglichkeit der Orientierung, der kulturellen und politischen Bildung, die vielen Gemeinschaftsaktionen, der Geist, der zu meiner Studienzeit Raum ließ für Innovation, kritische Auseinandersetzung und Zusammenschluss. Ein studentisches Leben, das über die Inhalte in den einzelnen Studienbereichen hinaus von einer Haltung kritischen Denkens und Sich-Einmischens bestimmt war.
4. Wie sehen Ihre zukünftigen Pläne und Ziele aus – beruflich und/oder persönlich?
Ich wünsche mir, meinen Beruf noch sehr lange ausüben zu können in einer Weise, wie sie mich fordert und erfüllt und hoffentlich die Verbindung zu den nachwachsenden Generationen hält.
5. Sie schreiben bereits seit Ihrem Studium Kinderbücher. Haben sich die Themen, mit denen Sie Ihre Bücher füllen, im Laufe der Jahre verändert?
Meine Bücher, die überwiegend aus der Sicht von jungen Menschen geschrieben sind, erzählen von Schicksalen und Grenzerfahrungen, guten wie schwierigen, die das menschliche Leben ausmachen. Es sind fast immer realistische Erzählungen und Romane. Insofern haben sich die Themen verändert und auch wieder nicht. Kinder und Jugendliche sind Teil der Gesellschaft, aber sie haben natürlich noch einmal ihren eigenen Blick auf die Welt und auf Zukunft. Dass dieser ein anderer ist als noch vor 20 oder 40 Jahren, ist klar. Auf die junge Generation kommen sehr große Aufgaben zu. In diese wachsen sie hinein und sind auch jetzt bereits mit vielen Fragen beschäftigt. Auch die Geschichte, so ist meine Erfahrung, interessiert und bewegt sie sehr. Die Literatur bietet hier einen besonderen Zugang, indem sie neben dem Kognitiven auch das Emotionale berührt und vertieft. Es geht um Stärkung ihrer Persönlichkeit, um Andersartigkeit und Empathie. Das Spektrum dessen, wie von Leben und Zusammenleben erzählt werden kann, ist weit. Für mich ist und bleibt ein wichtiger Faktor, dass es Tiefe hat und wahrhaftig zu sein versucht. Auch die Poesie hat darin ihren Platz und bleibt hoffentlich ein wichtiges Element.