5 Fragen an … Dr. David Spencer
Pflanzenbiologe, Science Slammer, Autor und RWTH Alumnus
Dr. David Spencer ist Pflanzenbiologe und Wissenschaftskommunikator aus Leidenschaft. Mit seinem Youtube-Kanal „Krautnah“ bringt er regelmäßig tausenden Menschen die Biologie und Wissenschaft hinter der faszinierenden Pflanzenwelt bei. Sein Engagement wurde 2022 mit dem SciCom Award der Deutschen Botanischen Gesellschaft im Bereich Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet. Außerdem ist er Autor und Science Slammer.
1. Wie sieht Ihre aktuelle berufliche Rolle aus und welche Aufgaben prägen Ihren Arbeitsalltag?
Nach meiner Promotion an der RWTH im Jahr 2022 habe ich mich als Autor und Wissenschaftskommunikator selbständig gemacht. Das war natürlich zunächst ein Schritt ins Ungewisse. Heute bin ich sehr froh, diesen Weg gewählt zu haben und bin in der glücklichen Lage, genügend Aufträge rund um die Vermittlung (biologischer) Forschung zu erhalten. Ich produziere „Sci Content“ für meine Kund*innen, in Form von Podcasts, Videos, Texten oder Keynote-Vorträgen. Mein Alltag ist mittlerweile also eine wunderbare Mischung aus Recherche, Reportage und kreativer Produktion von Onlinematerial – dabei bleibe ich den Pflanzenwissenschaften immer treu.
2. Inwiefern hat die Zeit an der RWTH Aachen Sie zu Ihrer aktuellen Tätigkeit inspiriert?
Schon während meines Studiums der Biologie fiel mir auf: Es gibt in der Gesellschaft noch viele Fragen zum Thema Pflanzenzüchtung, viele fühlen sich angesichts des rasanten Fortschritts abgehängt. Zudem kursieren sowohl online als auch offline einige Mythen und Desinformationen zu kontroversen Aspekten wie Gentechnik, Pflanzenschutz und Nachhaltigkeit. Dem wollte ich etwas entgegensetzen, das die Fakten geraderückt, mein Fachgebiet nahbar und zugänglich macht und zugleich aktiv den Kontakt zur Bevölkerung sucht. So habe ich während des Studiums schon beim Science Slam der RWTH-Wissenschaftsnacht mitgemacht (und gewonnen). Das war der Anfang meiner Karriere in der Wissensvermittlung!
3. Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Zeit an der RWTH?
Die botanischen Bestimmungsübungen – erst als Studi, dann als Praktikumsbetreuer – waren wirklich toll. Dann natürlich die Partys der Fachschaft und das fantastische Essen der Mensa Vita. Das Schönste sind allerdings Freundschaften und Kollaborationen, die bis heute andauern.
4. Wie sehen Ihre zukünftigen Pläne und Ziele aus – beruflich und/oder persönlich?
Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass sich in Zukunft mehr Menschen für die (Pflanzen-)Biologie begeistern. Man muss nicht studieren, um die Bedeutung nachwachsender Rohstoffe für eine nachhaltige Wirtschaft zu verstehen, und die Wissenschaft dahinter muss für alle Menschen zugänglich und begreifbar werden. Dieser Mission werde ich auch künftig folgen und hoffe auf ein organisch wachsendes Publikum, das mich beim nächsten Buch, Podcast oder YouTube-Video begleitet.
5. Ihr Youtube-Kanal „Krautnah“ inspiriert regelmäßig tausende Menschen. Warum ist es für Sie so wichtig, Wissenschaft nahbar zu machen?
Wissenschaft wird in der Regel öffentlich finanziert, also ist es nur logisch, dass wir Forschende etwas von unserer Arbeit in die Gesellschaft zurückgeben. Meines Erachtens gehört es nun auch dazu, unsere Verantwortung im Zeitalter von Fake News und Informationskrise wahrzunehmen. Wissenschaft ist ein total erfüllendes, ehrliches und faszinierendes Handwerk – und ein Fels in der Brandung, wenn Menschen nach Wahrheit suchen. Umfragen wie das „Wissenschaftsbarometer“ zeigen, dass das Vertrauen in den Forschungsbetrieb nach wie vor hoch ist. Das sollten wir beherzigen, wenn wir „Fakten vor Bauchgefühl“ und „Evidenz vor Populismus“ hochhalten wollen. Dazu muss auch die Wissenschaft ein wenig aus ihrer Komfortzone herauskommen. Es muss nicht immer bierernst und komplex sein – gerade kurze, lustige und niedrigschwellige Beiträge festigen den Standpunkt der Wissenschaft in der Mitte der Gesellschaft und ermöglichen echte, inklusive Teilhabe.